Das Heilige Grab in Görlitz

19. August 2012 | Von | Kategorie: Sehenswürdigkeiten
Heilige Grab in Görlitz

Das Heilige Grab in Görlitz; Foto: ProfessorX via de.wikipedia.org gemeinfrei

Lage: Kartenausschnitt

Das Heilige Grab in Görlitz ist eine Nachbildung des Jerusalemer Orginal aus der Zeit des hohen Mittelalters und wurde im Jahre 1504 fertiggestellt. Die Baumeister waren Blasius Röhrer und Bohrer aus Leip­zig.

Wie es zum Nachbau des Heiligen Grabes in Görlitz kam

Der Plan zum Bau des Heiligen Grabes entwickelte sich nach einer Pilgerfahrt 1465 ins Heilige Land Jerusalem von Georg Emmerich, dem späteren Bürg­ermeister und Stifter.

Zwischen dem Ratsherrn Nicolaus Horschel und dem Bürgermeister Urban Emmerich  kam Streit auf, weil der Sohn des Bürgermeisters ein intimes Abenteuer mit der Tochter des Ratsherrn Benigna Horschel hatte. Georg Emmerich weigerte sich aber Benigna zu heiraten.

Bei der Pilgerfahrt Georg Emmerichs nach Jerusalem 1465 wurde er vom Abt des Franziskanerklosters zum Ritter über dem Heiligen Grab geschla­gen. Durch den Ablaß, den Georg Emmerich auf seiner Pilgerreise bekam, verbunden mit mehrfachen beschwerlichen Hindernissen, war seine Ma­kellosigkeit nach damaligen geltenden Ansichten wieder hergestellt. Jedoch waren Horschels nicht bereit dies zu akzeptieren.

Hintergrund war auch ein politischer Machtkampf: Görlitz gehörte damals zu Böhmen. 1464 wurde der böhmische König Georg von Podiebrad wegen dessen Abkehr vom Papst zum „Ketzer“ erklärt. Denn er hatte die Konfession der Hussiten angenommen. Während des Streits um die  Thronfolge reifte in Görlitz im Horschel-Lager der Plan einer Rebel­lion mit den „Ketzern“. So sollte die Stadt an mehreren Stellen zugleich angezündet werden. Ziel war es, während der brandbedingten Verwirrung den eilig zu Hilfe gerufenen Truppen Podiebrads die Tore zu öffnen und die „Ordnung“ wieder herstellen zu lassen. Diese sogenannte „Pulverver­schwörung“ wurde mehrmals verscho­ben.

Das Vorhaben wurde aber 1467 von Frauenburg aufgedeckt. So hiel­ten die Mächtigen der Stadt ein schreckliches Strafgericht: Der Rich­ter Mehefleisch wurde gevierteilt.  Den daran Mitbeteiligten  legte man den Kopf vor die Füße; zwei Onkel von Benigna waren auch dabei. Selbst der Ratsherr Nikolaus Horschel entkam nur mit Mühe und Not diesem Schicksal. Somit hatten die „Rechtgläubigen“ ihren entscheidenen Sieg in der Stadt errungen. Mit dem Tod Podiebrads 1471 waren die Ansprüche des ungarischen Königs Matthias auf die Lausitz gesichert.

Familie Emmerich wollte nicht nur den Triumph des Sieges in der Stadtgeschichte festgeschrieben wissen. Sie wollte diesen Sieg in auch Stein gemei­ßelt sehen. Deshalb sollte hier in Görlitz der Nachbau des Heiligen Grabes vom Ruhm eines selbstbewußten Patriziergeschlechtes künden. Die Palästinareise Georg Emmerichs ein Jahrzehnt zuvor gab den entscheidenden Anstoß zum Nachbau des Heiligen Grabes. Es sollte nicht nur Ausdruck ihrer Frömmigkeit sein, sondern die Passionsgeschichte den Analphabeten der damaligen Zeit erlebbar gemacht werden.

Nach dem Tod des Vaters 1470 kam Georg Emmerich in den Rat und der Nachbau des Heiligen Grabes wurde vom Görlitzer Rat beschlos­sen. Georg Emmerich war bemüht, in der Umgebung der Stadt Görlitz einen Platz zu finden, der mit der Gegend Jerusalems die meiste Ähnlich­keit hatte. Nach langem Suchen meinte er den geeigneten Platz nord­westlich auf einer Anhöhe der äußersten Vorstadt, die zur anderen Vorstadt durch ein sogenanntes Kreuztor (Nikolaitor) abgesondert ist, gefunden zu haben. 1481 wurde der Bau des Heiligen Grabes und der übrigen Denkmäler begonnen. Ein wesentlicher Teil wurde von Georg Emmerich finanziert. Die Baumeister waren Blasius Röhrer und Bohrer aus Leip­zig.

 In Jerusalem vereint die heilige Grabeskirche unter einem Dach:

– die Adamskapelle befindet sich im Erdgeschoß (Unterkapelle)

– die Golgothakapelle welche darüber liegt (Oberkapelle)

– zwischen Adams-, Golgotha- und Grabkapelle liegt der Salbstein. Der Salbstein ist geschmückt und umleuchtet, so daß so viel Platz ist, um darauf einen Leichnam zur Bestattung vorzubereiten.

Die Görlitzer Nachbildung des Heiligen Grabes

Das Heilige Grab nimmt unter den Görlitzer Kirchen eine besondere Stellung ein und gilt als die bedeutendste Sehenswürdigkeit der Stadt. Zwischen den Jahren 1481 und 1489 entstand die Anlage; ebenso sind zur Erweiterung die Jahre bis 1504 von Bedeutung. Die Görlitzer Nachbil­dung ist etwas verkleinert aber ein orginalgetreues Abbild der Grabstel­le in Jerusalem wie sie in der Zeit von 1099 bis 1555 bestand. Georg Emmerich hatte von seiner Pilgerreise orginalgetreue Aufzeichnungen mitgebracht. 1473 wurde das zum Bau vorgesehene Gelände erweitert. 1475 flossen Gelder aus Stiftungen zum Bau der Kreuzkapelle ein, wozu 1480 die bischofliche Erlaubnis gegeben wurde. So begann man 1481 mit dem Bau. Schon 1489 war der Bau der Heiligen Kreuzkapelle, die eine Doppelkapelle mit einer überaus großen schlanken Dachreiter und gleichzeitig mit dem sogenannten Salbhaus beendet. Heute gilt als gesichert, daß nur der untere Raum, die Adamskapelle gestanden haben kann. Die über der Adamskapelle befindende Golgathakapelle wurde erst nach einer Stiftung 1489 erbaut unter dem Architekt/Baumeister Conrad Pflüger. Erst 1490 erscheint sie in den vertraglich geregelten Bauauf­zeichnungen.

In der Unterkapelle wurden Seelenmessen abgehalten. Erst 1498 wird erneut über den Bau des Netzrippengewölbes von der Gogathakapelle berichtet. Die Gogathakapelle ist hell und luftig. Aus Verträgen gehen die Baumeister Pflüger und Börer hervor.

Nach einem erneuten 100-tägigen Ablaß von 1503 folgte 1504 die Weihe des neuen Altars. Gleichzeitig war es der Bauabschluß. Das Zentrum der Anlage ist das Heilige Grab selbst. In dem Baustil verschmelzen goti­sche und maurische Formen. Im Innern ist die Grabkammer in schlichter Form nachgebildet. Erst um 1500 wurden die gesamten Gebäude in einen Landschaftsgarten eingebunden, der sich nördlich des Heiligen Grabes mit dem „Bach Kidron“, dem Ölberg und der Jüngerwiese anschließt.

Der noch heute zum Teil ausgewiesene Prozessionsweg gehört mit zur Anlage, der unter dem als Gerichts­haus des Pilatus versinnbildlichten Westportal der Peterskirche be­ginnt, führt über die Nikolaistraße und die Lunitz nach dem Heiligen Grab.

Die Festlegung der Stationen des Kreuzweges wurden zur Zeit der Erbau­ung von Georg Emerich nicht verwirklicht. Er bestätigte den Kreuzweg anderweitig, indem er der Klosterkirche (Dreifaltigkeitskirche) Bildwerke stiftete.

Heute sind noch zwei Kreuzwegstationen Ecke Lunitz/Bogstraße und am Grundstückszugang zum Heiligen Kreuz erhalten.
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